· 

Gazprom – Buy, Hold oder Sell?

Gazprom (WKN 903276): Kurs: 3,74 €

Nach erneuten Androhungen der USA, die Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu verschärfen, sind viele russische Aktien stark gefallen. Mit in den Sog geraten sind die Aktien von Gazprom, einem großen russischen Gasproduzenten. Die Aktie fiel von 3,96 € um ca. 10% auf 3,60 €, erholte sich daraufhin auf aktuell 3,70 €. Ist dieser Rückfall eine Chance um billig einzusteigen oder sollten sich die Aktionäre wegen steigender Risiken im Konflikt zwischen Russland und den USA von Gazprom trennen?

 

 

Natürlich sind die wirtschaftlichen Sanktionen nicht von der Hand zu weißen, aber Sie werden auf das Geschäft von Gazprom nicht so große Auswirkungen haben. Das beste Beispiel dafür ist das Pipeline Projekt North Stream 2, das Nordeuropa mit Gas aus Russland versorgen soll. Die USA versuchen schon seit Längerem das Projekt zu stoppen und Russland damit hart zu treffen. Dabei stoßen Sie aber auf großen Widerstand aus Europa. Europäische Konzerne und Regierungen erhoffen sich von der direkten Anbindung große Kosteneinsparungen und eine erhöhte Versorgungssicherheit. Chemieriesen, wie BASF, sind auf eine sichere Versorgung mit Gas für ihre Produktion angewiesen und werden deswegen entsprechend Lobbyarbeit für das Projekt betreiben. Bisher gehen wichtige Gaspipelines durch Krisenherde, wie die Ukraine oder die Türkei, die für den Transport des Gases durch ihr Land Gebühren erheben.

 

 

Ein weiterer Grund warum russisches Gas in Europa, vor allem in Deutschland, unverzichtbar ist, ist der geplante Ausstieg aus der Kernenergie. Wie soll die Versorgung mit Strom sichergestellt werden, wenn ein Ausstieg aus Kohle und Atomenergie angestrebt werden?

 

 

Strom aus Kohle und Atomenergie decken in Deutschland den Grundbedarf. Natürlich wird ein Großteil durch Fortschritte in erneuerbaren Energien abgedeckt werden können, aber mehr regenerative Energiequellen führen zwangsweise zu größeren Schwankungen im Stromnetz. Wind und Sonne verhalten sich halt nicht immer vorhersehbar. Um diese Schwankungen auszugleichen werden Gaskraftwerke eingesetzt, da diese im Gegensatz zu Kohle- und Atomkraftwerken schnell hoch- bzw. runtergefahren werden können.

 

 

Diese zwei Fakten sprechen für mich klar für den langfristigen Erfolg von Gazprom. Klar ist allerdings auch, dass sich das Verhältnis zwischen Russland und den USA immer noch verschlechtern kann und es zu neuen Hiobsbotschaften kommt. Weiterhin möchte ich darauf hinweisen, dass durch den Transport von flüssigem Gas durch große Tankschiffe aus den USA und den arabischen Staaten eine neue Konkurrenz für russisches Gas entsteht. Diese neue Technik nutzt Gazprom aber auch um den indischen Markt zu erschließen, der wirklich großes Absatzpotential bietet.

 

 

Fundamental ist Gazprom spottbillig bewertet. Die Aktie hat ein KBV von 0,3 und ein KGV von 4. Zum Vergleich hat Shell ein KGV von 21 und ExxonMobil ein KGV von 18. Weiterhin spricht für einen Kauf eine hohe Dividendenrendite von 6% bis 7%. Diese könnte sich in den nächsten Jahren stark steigern, da die russische Regierung von allen halbstaatlichen Konzernen eine Ausschüttungsquote von 50 % fordert. Wegen hohen Investitionen in neue Projekte, wurde Gazprom nur zeitweise davon ausgenommen.

 

 

Fazit:

 

Interessierte Anleger können jetzt schon den Kursrücksetzer nutzen um eine erste kleine Beteiligung aufzubauen. In Zukunft könnten sich allerdings noch günstigere Einstiegschancen ergeben. Für Inhaber der Aktie gilt es jetzt durchzuhalten, denn die Beziehungen zwischen Russland und USA müssen sich irgendwann auch einmal normalisieren. Nach der Regierung Trump könnte von der politischen Seite leichter Aufwind kommen. Zusammenfassend ist Gazprom ein sehr interessantes Unternehmen, sieht man davon ab, dass man als Aktionär indirekt Putin als Machthaber in Russland unterstützt.

 

 Disclosure: Autor ist in Aktie investiert und möchte deswegen auf den Interessenkonflikt hinweisen. Hier handelt es sich nicht um eine Empfehlung und der Autor übernimmt keinerlei Haftung bei eventuellen Kursverlusten