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Geht der nächste Immobilien Crash von Kanada aus?

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Blick vom CN Tower Toronto

Toronto, direkt an der Grenze zu Amerika, ist der größte Wirtschaftsmotor in Kanada. Damit ist die Wirtschaftsregion Toronto attraktiv für viele Arbeitnehmer. Ähnlich wie in München kennen die Mietpreise in Toronto nur eine Richtung: nach oben. Lässt man seinen Blick von der Touristenattraktion CN Tower schweifen, kennt die Stadt fast kein Ende. Bis zum Horizont erstrecken sich unzählige Reihenhäuser nach britischem Vorbild. Meistens sind diese nur ca. 3m breit und verfügen nur vorne und hinten über zwei Fenster, wobei das Fenster zur Straße meist blickdicht verhangen ist (siehe Abb. 2). Mieten von 2000 CAD bis 3000 CAD für ein solches heruntergekommenes Reihenhaus sind keine Seltenheit. Ich möchte hier hervorheben, dass es sich hier nicht um Häuser nach deutschem Vorbild handelt. Die Kaufpreise befinden sich in ähnlichen Dimensionen. Nur wie soll sich ein „normaler“ Arbeiter solche Mieten oder Kaufpreise leisten können?

 

Das Zauberwort lautet: Kredite!

 

 

Wir von Welt-der-Finanzen.com waren natürlich vor Ort um für Sie die Situation zu analysieren und nicht nur einen Artikel immer wieder abzuschreiben wie die Mainstream Medien. Vergleichen Sie hierzu verschiedene Artikel aus dem Monat Juli 2017. Die erste Erkenntnis kann man direkt der TV-Werbung entnehmen. In Kanada wird die Werbung von Finanzberatungen dominiert, die überschuldeten Leuten versprechen bei der Umschuldung zu helfen. In diesen Werbespots sieht man wieder glückliche Familien, die nach Jahren der Schuldenlast wieder aufatmen können. Nur wie soll das funktionieren? Die Schulden lösen sich ja nicht einfach in Luft auf und die Finanzberatung will schließlich auch etwas verdienen. Meine Vermutung ist, dass durch die finanzielle Beratung den Leuten gegen hohe Gebühren nur ein kurzer Aufschub für ihren Kredit gewährt wird und wie immer das Problem nach hinten verlagert wird, bis es kracht.

 

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Typische Reihenhäuser in Toronto

Der Kurs des Kreditinstituts Home Capital, das hauptsächlich Kredite für Häuser und Konsum vergibt, spricht Bände. Seit 2015 ist der Kurs von 50 CAD auf 18 CAD abgestürzt. Der Grund hierfür ist, dass sich einige auf Kosten vieler bereichert haben, aber irgendwann kann der normale Bürger die Kreditraten nicht mehr finanzieren.

 

Die kanadische Regierung versucht den Leuten dadurch zu helfen, dass sie den Mindestlohn von 11 CAD auf 14 CAD angehoben hat. Als Reaktion darauf haben die kanadischen Unternehmen 137.000 Angestellten gekündigt. Dadurch können sich die, die noch einen Job haben, vielleicht noch ihre Immobilie leisten, aber für die anderen wird es nach einer Kündigung noch schwieriger. Die Regierung steckt hier in einer Zwickmühle. Zum einen will Sie, dass Unternehmer leicht an Kredite kommen, damit die Wirtschaft wächst, zum anderen, dass sich private Kreditnehmer nicht überschulden.

 

 

Alles in allem deutet es darauf hin, dass sich Kanada ähnlich wie die USA 2007 in einer Teufelsspirale befinden. Die Bürger sind massiv überschuldet und „renommierte“ Finanzinstitute versuchen ihnen zu helfen. Wozu das führt haben wir 2007 in den USA gesehen. Am Schlimmsten ist die Lage im Ballungsraum Toronto mit 10 Mio Einwohnern. Im Vergleich dazu hat Kanada nur 36 Mio Bürger. Ein erstes Anzeichen der möglichen Auswirkungen hat man im Juli 2017 gesehen. Hier sind die Preise in Toronto kurzzeitig um 40 % gesunken und blanke Panik ist am Immobilienmarkt ausgebrochen. Käufer erfüllten ihre bereits abgeschlossenen Verträge nicht mehr und jeder Besitzer wollte nur noch seine Immobilie verkaufen.

 

 

Fazit:

 

Welche Auswirkungen hat ein Immobilien Crash in Kanada?

 

Kanada ist mit seinen 36 Mio Einwohnern relativ klein, aber durch die enge Verflechtung vor allem in der Wirtschaftsregion der großen Seen mit den USA ist durchaus ein Überschwappen möglich. In den USA hat sich zwar der Immobilienmarkt abgekühlt, jedoch sind Kredite für die studentische Ausbildung und Automobile auf Rekordhoch. Insgesamt eine Mischung mit hohen Risiken.

 

 

Unser Tipp für diese Situation:

 

Short auf eine kanadische oder amerikanische Bank, die viele Kredite in ihrer Bilanz hat. Gerade in den USA sind die Banktitel in letzter Zeit enorm gestiegen, was meiner Meinung nach ein großes Abwärtspotential bietet. Vorsicht ist hier bei der Knock Out Schwelle geboten, weil sich der kurzfristige Aufwärtstrend bei den Banktiteln noch weiter fortsetzen kann. Die Aktie der Royal Bank of Canada ist seit Dezemeber zum Beispiel schon um 10 % gesunken. Dies kann aber auch an der allgemeinen Abwärtsdynamik in den letzten Wochen liegen (weitere Banktitel: Bank of Montreal; Bank of Nova Scotia). Auch ein Blick auf eine Immobiliengesellschaft könnte sich lohnen. Steigende Zinsen sind sowieso schlecht für Immobiliengesellschaften (z.B. Brookfield Asset Management Inc.). Bricht dazu noch der Markt zusammen, kann das schwere Folgen haben.

 

Disclosure: Autor ist in Aktie investiert und möchte deswegen auf den Interessenkonflikt hinweisen. Hier handelt es sich nicht um eine Empfehlung und der Autor übernimmt keinerlei Haftung bei eventuellen Kursverlusten.

 



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