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BP und Volkswagen – Der Mensch vergisst!

Templer´s Welt - Die etwas andere Analyse!

 

 

Ich glaube jeder Mensch kann sich daran erinnern, wo er gewesen ist als er von den Anschlägen am 11.September 2001 erfahren hat. In Zeiten als Facebook oder das mobile Internet noch nicht existierten, habe ich es von meinen Eltern erfahren, als ich von der Schule nach Hause kam. So wie 9/11 gibt es viele Ereignisse an die sich ein Mensch zurückerinnert. Die meisten verblassen jedoch mit der Zeit. Es heißt nicht umsonst: „Die Zeit heilt alle Wunden.“

 

 

So ist es auch mit negativen Nachrichten über Unternehmen. Schlechte Quartalszahlen am einem Tag, Rückrufaktionen wegen Qualitätsmängeln an einem anderen Tag. Solche Meldungen haben vielleicht kurzfristig Einfluss auf ein Unternehmen und damit auch auf den Aktienkurs, aber nach ein paar Tagen sind diese Meldungen wieder in Vergessenheit geraten und neue Meldungen bestimmen den Kurs der Aktie. Bei den Unternehmen BP und Volkswagen war dies jedoch anders.

 

 

Am 20. April 2010 kam es aufgrund von verschiedenen Versäumnissen auf der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ zu einer Explosion, bei dem die Plattform in Brand geriet und zwei Tage später sank. Das Ereignis kostete elf Menschenleben. Dazu kam die Verschmutzung von 2000 Kilometern Küste und der Verlust von 3,19 Millionen Barrel Öl und 87 Tagen Zeit, um die unablässig sprudelnde Ölquelle zu stoppen.  Besitzer dieser Bohrinsel war der Ölkonzern BP. Täglich lasen wir daraufhin über die Verantwortung des Unternehmens und über die Folgen für die Umwelt. BP musste infolge der Ölpest eine Strafe in Höhe von 20,8 Mrd. US-Dollar zahlen. Dies ist die höchste jemals verhängte Strafe für ein Umweltdelikt.

 

 

Infolge dieser Ereignisse brauch auch der Aktienkurs des Unternehmens ein. Zeitweise hat BP 55% seines Börsenwertes eingebüßt und viele Experten sprachen davon das BP diese Katastrophe nicht überstehen wird.

 

Chart BP

Chart von Wallstreet Online

Meine Meinung zu diesem Thema ist eine andere: „Deep Water Horizon war ein Unfall!“ Ankreiden muss man BP höchstens das mangelnde Krisenmanagement und die mangelhafte Kommunikation in den Wochen und Monaten nach der Krise. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen bei denen der Aktienkurs in Folge von Qualitätsmängeln (Toyota) oder gefälschten Bilanzzahlen (Steinhoff) einbrach, war BP nicht direkt an ihrem Skandal schuld.

 

Natürlich hätte BP infolge der auferlegten Strafzahlungen insolvent gehen können. Das ist das Risiko bei solchen Investments. BP saß jedoch vor dem Skandal fest im Sattel, war sehr erfolgreich und zählte zu den Weltmarktführern in seiner Branche und dies machte sich auch schnell bemerkbar: 

 

Nachdem nach und nach die Meldungen zu diesem Skandal in den Medien weniger wurden, stieg auch der Aktienkurs rasch wieder an. Bereits ein halbes Jahr später waren 50% der damaligen Verluste aufgeholt. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat zwar BP nie wieder das Rekordhoch vor dem Skandal erreicht, jedoch zeigt sich die Aktie sehr stabil und man kann zusätzlich von einer hohen Dividende profitieren (ca. 5,5%).

 

Ähnlich erging es dem Volkswagen Konzern im November 2010. Aufgrund des aufgedeckten Abgasskandals sank der Aktienkurs um mehr als 45%. In diesen Fall kann ähnlich argumentiert werden wie im Fall BP. Nachdem die Berichterstattungen über den Skandal in den Medien weniger wurden, stieg auch der Aktienkurs wieder. Der Volkswagen Konzern ließ sich in den folgenden Jahren auch nicht von weiteren Skandalen, wie den durchgeführten Tierversuchen oder dem Kartellverdacht, beeinflussen. Bis zum heutigen Tag hat die VW Aktie fast wieder den alten Stand wie vor der Krise erreicht und damit innerhalb von knapp 3 Jahren eine Kurssteigerung von ca. 90% erreicht. Die Gründe dafür sind vielfältig: Verkaufsrekorde, Innovationsoffensive, hohe Margen. Diese Liste könnte noch um ein paar Schlagworte verlängert werden.

 

Das bedeutet im Umkehrschluss, ein paar manipulierte Zahlen schmeißen einen Weltkonzern vielleicht kurzfristig aus der Bahn, aber langfristig setzt sich Qualität durch.

 

Chart Volkswagen

Chart von Wallstreet Online

Fazit:

 

Bei sogenannten „Firmenskandalen“ wie es vor ein paar Jahren bei BP und Volkswagen der Fall war, sollte ein aufmerksamer Aktionär immer genauer hinsehen. Kommt man zu dem Entschluss, dass dieser Skandal nicht direkt mit der unternehmerischen Leistung des Unternehmens (siehe BP) in Verbindung gebracht werden kann oder durch die Medien zu sehr aufgebauscht (siehe Volkswagen) worden ist, kann man einen solch großen Kursrutsch dazu nutzen, ein erfolgreiches Unternehmen günstig einzukaufen.

 

Disclosure: Autor ist in Aktie investiert und möchte deswegen auf den Interessenkonflikt hinweisen. Hier handelt es sich nicht um eine Empfehlung und der Autor übernimmt keinerlei Haftung bei eventuellen Kursverlusten

 


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