Das ewige Leid mit der Quellensteuer

In Zeiten von Niedrigzinsen, gelten Aktiendividenden als die neuen Zinsen. Doch nicht nur der deutsche Aktienindex (DAX) bietet attraktive Dividendenperlen, sondern auch beispielsweiße Marine Harvest in Norwegen oder auch Novartis mit Sitz in der Schweiz. Das Problem an ausländischen Dividenden ist, dass man direkt Steuern auf die Erträge zahlen muss, die sogenannte Quellensteuern. Zusätzlich muss aber noch die Abgeltungssteuer in Deutschland gezahlt werden. Durch das Doppelsteuersteuerungsabkommen wird dieser zweifache Abzug jedoch verhindert und man kann sich einen Teil der Angefallenen Quellensteuer zurückerstatten lassen.

 

 

Viele Deutsche haben sich in den letzten Jahren den norwegischen Fischzüchter Marine Harvest in das Depot geholt. Die Aktie hat sich in den letzten Jahren prächtig entwickelt (+ 117% Kursgewinn in den letzten 5 Jahren) und glänzt mit konstant hohen Renditen (ca. 6% Rendite). Da die Ausschüttung in den letzten Jahren immer aus Kapitalrücklagen erfolgte mussten sich nicht-norwegische Anleger auch nicht um die Quellensteuer kümmern. Zuletzt veröffentlichte Marine Harvest aber schwache Quartalszahlen und einen eher verhaltenen Ausblick. Grund dafür sind die Weltweit eingebrochenen Lachspreise sowie eine hochansteckende Virusart die Teile der Lachszucht befallen hat. Daraus resultierte das die Quartalsdividende von zuletzt 3,40 Kronen auf 2,60 Kronen sank. Ein weiterer Wehmutstropfen war das die Dividendenausschüttung dieses Mal nicht aus einer Kapitalrücklage erfolgte und deshalb erfolgte ein satter Abzug von 25% Quellensteuer.

 

Ein Beispiel: Ein Anleger besitzt Marine Harvest Aktien und hat Anspruch auf umgerechnet 100 € Dividende. Davon behält der Norwegische Fiskus 25% ein. Dem Aktionär bleiben also noch 75€. Zusätzlich würde der deutsche Staat noch ca. 25% Abgeltungssteuer auf die ursprüngliche Dividende erheben. Also blieben dem Anleger am Ende nur noch knapp 50€. Dank des Doppelbesteuerungsabkommens kann aber ein Teil der gezahlten Quellensteuer zurückgefordert werden.

 

Die Frage ist nur wie. Viele Anleger haben sich gerade Marine Harvest in Ihr Depot geholt, da die Dividende in den letzten Jahren von der Quellensteuer befreit war. Viele Anteilseigner wissen nun nicht was zu tun ist, da ihnen schlichtweg die Erfahrung fehlt. Zudem liest man im Internet viele unterschiedliche Berichte. Deshalb wird nachfolgend verständlich erklärt wie man am Beispiel des Staates Norwegen einen Teil seiner gezahlten Quellensteuer zurückfordern kann.

 

Natürlich bedeutet das Ganze im ersten Moment einmal einen zusätzlichen Aufwand. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern hat der Norwegische Staat das zurückfordern der Quellensteuer zumindest sehr angenehm gestaltet. Die Quellensteuer in Norwegen kann auf zwei verschiedene Wege zurückgefordert werden. Jedoch empfehle ich eine teilweise Rückerstattung per Antrag nach dem deutsch-norwegischen Doppelbesteuerungsabkommen. Das zweite Verfahren, das sogenannte „shielding deduction“, ist wesentlich komplizierter und der Anleger erhält eine geringere Rückerstattung.

 

Für die Rückforderung ist es ausreichend ein formloses Schreiben an die norwegische Erstattungsbehörde zu schicken. In diesem Schreiben direkt die Kontoverbindung mit IBAN und BIC angeben. Das Schreiben kann sogar auf Englisch oder Deutsch verfasst werden. Zudem muss ein Nachweis, wie viel Quellensteuer angefallen ist mitgeschickt werden. Dafür reichen Kopien der Dividendenabrechung vollkommen. Außerdem muss eine Bestätigung des jeweiligen deutschen Finanzamtes beigefügt werden, dass man in Deutschland Steuern zahlt. (ein Formular gibt es auf der Homepage des Bundeszentralamts für Steuern).

Diese drei Dokumente schickt man dann an folgende Adresse:

 

 

The Central Office - Foreign Tax Affairs
(Sentralskattekontoret for Utenlandssaker)
PO Box 8031
N 4068 Stavanger
Norwegen

 

 

Daraufhin erstattet der Norwegische Staat dem Anleger 10% Quellensteuer. Die restlichen 15% norwegische Quellensteuer berechnet der deutsche Fiskus auf die deutsche Abgeltungssteuer beim Steuerbescheid an und zahlt dann die zu viel gezahlten Steuern zurück.

 

 

Fazit:

Alles in allem legt der norwegische Staat ausländischen Anlegern keine Steine in den Weg und man kann deshalb die zu viel gezahlten Steuern problemlos zurückfordern. Da in den letzten Wochen die Lachspreise wieder angezogen haben und damit auch der Kurs der Marine Harvest Aktie wieder den Weg nach oben eingeschlagen hat, bleibt zumindest die Hoffnung das demnächst die Dividende wieder aus Kapitalrücklagen gezahlt wird und damit der Mehraufwand durch die Quellensteuerrückforderung wieder entfällt.